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  • AutorenbildKarin Heiermann

„Der Kochstandard“ war hier in SARAJEVO - Bosnien und Herzegowina

- Geschichtsbuch, Mahnmal, Multikulti-Metropole -


Ich muss zugeben, vor meiner Reise in die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina fielen mir nur ein paar spärliche Fakten aus der Vergangenheit ein: Beginn des Ersten Weltkriegs ausgelöst mit dem Attentat auf Franz Ferdinand, Olympische Winterspiele 84, ehemaliges Jugoslawien und der Bosnienkrieg in den 90er Jahren.


Goran Bregović, Musiker und Komponist - DER KOCH-STANDARD
Goran Bregović, Musiker und Komponist

Nermina, eine liebe Freundin, in Sarajevo geboren, hatte die wunderbare Idee, einem kleinen Freundinnenkreis ihre Heimatstadt mit all ihrer kulturellen, ethnischen und religiösen Vielfalt zu zeigen. Auf einer 4-Tage Reise in die bosnische Hauptstadt und ihr Umland wartete nicht nur eine absolut faszinierende Kultur, köstliches Essen, sondern auch eine einzigartige Natur auf uns.


Sarajevo - Bosnien und Herzegowina - DER KOCH-STANDARD
Sarajevo - Bosnien und Herzegowina

Wir landen mit dem Flieger aus Wien auf dem Flughafen Sarajevo und fahren mit dem Bus zu unserem Hotel, vorbei an sozialistischen Plattenbauten, kommen auf die Sniper Alley, die heutige Hauptverkehrsstraße Zmaja od Bosne. Während der 3 Jahre langen Belagerung (die Stadt war 1425 Tage eingekesselt) ein lebensgefährlicher Ort. Hier feuerten von den Dächern der Hochhäuser serbische Heckenschützen wahllos auf Fahrzeuge und Zivilisten, auch auf Kinder. Auf dieser einen Straße wurden so viele Menschen erschossen und tausende verwundet. Noch immer sind viele Gebäude mit Einschusslöchern übersät, Denkmäler und Friedhöfe erinnern an die Belagerung.

Für mich ist es schwierig nachzuvollziehen, wer, wann genau gegen wen kämpfte. Es war nicht nur ein territorialer, sondern auch religiöser Konflikt mit verschiedenen Parteien, den orthodoxen Serben, den katholischen Kroaten und den muslimischen Bosniaken. Die vielen privaten Tragödien des Krieges, die die Menschen hier erleiden mussten, erschüttern.


Unser Hotel liegt nur 5 Gehminuten bis zum orientalisch geprägten Viertel Bascarsija. Perfekte Lage, die zahlreichen historischen Attraktionen zu erkunden. Ein touristisches Programm startet mit der Besichtigung der katholischen Kathedrale, einer orthodoxen Kirche, einer jüdischen Synagoge und der größten muslimischen Moschee. Die Stadt Sarajevo, ein Schmelztiegel der Kulturen und Religionen.

Auffallend auch die architektonische Verschmelzung, die den Stadtkern prägt. Während wir durch die Altstadt und die Basare schlendern, tauchen wir in die osmanische Kultur ein. Nur ein paar Straßen weiter blicken wir auf das westliche Sarajevo, dominiert vom österreichisch-ungarischen Baustil.


Es geht weiter zum Baščaršija-Platz mit dem Brunnen Sebilj, ein orientalischer Holzbrunnen aus dem 18. Jahrhundert. Einst versorgte er Reisende und Pilger mit frischem Wasser. Kostenloses Wasser für alle gibt es auch heute noch. Unzählige Tauben brachten dem viel besuchten Platz auch den Namen Taubenplatz ein. Großer Trubel, viele Touristen!


Baščaršija-Platz mit dem Brunnen Sebilj - DER KOCH-STANDARD
Beliebtes Fotomotiv - der Sebilj-Brunnen steht mitten auf dem Baščaršija-Platz

Es geht weiter durch die Straßen der alten Handwerkskunst. Heute ist die Gasse der Kupferschmiede die einzige, die in ihrer ursprünglichen Funktion erhalten geblieben ist. Gefertigt und verkauft werden Teller, Tabletts, Schüsseln, Kannen. Wir widerstehen der Versuchung, ein typisch bosnisches Kaffeeservice zu kaufen. Schlendern durch Baščaršija, der osmanischen Altstadt.


Später kommen wir an der Lateinerbrücke vorbei, eine osmanische Steinbrücke, eine der ältesten Brücken der Stadt und ein sehr geschichtsträchtiger Ort. Hier geschah das Attentat auf den österreich-ungarischen Thronfolger Franz-Ferdinand und seine Frau, das schließlich zum Ersten Weltkrieg führte.


Nur ein paar Meter weiter befindet sich eines der schönsten Gebäude der Stadt, das Rathaus von Sarajevo, Wahrzeichen der Stadt. Hier ist heute die Nationalbibliothek beherbergt. Leider wurden zwei Millionen Bücher und Dokumente durch Brände der Bombenangriffe unwiederbringlich zerstört.


Rathaus - Sarajevo - DER KOCH-STANDARD
Rathaus - Sarajevo

Zum Schluss erreichen wir Ferhadija, eine moderne Einkaufs- und Fußgängerstraße mit vielen Geschäften, Cafés und Restaurants. Entdecken die Markthalle von Sarajevo, leider bereits geschlossen.


Sarajevo wirkt wie eine bunte, ethnisch gemischte Stadt. In den Straßencafés sitzen Männer und rauchen Wasserpfeife. Frauen tragen Minirock, aber auch Burka. Der Flair der Stadt bezaubert, sie sprüht vor Lebensfreude und hat eine Energie, die nur schwer zu beschreiben ist.


Cafe in Sarajevo - DER KOCH-STANDARD
Cafe in Sarajevo

Man kann nicht nach Sarajevo reisen, ohne mit dem Bosnien-Krieg und der Belagerung der Stadt konfrontiert zu werden. Es sind die vielen Friedhöfe, Mahnmale, die Einschusslöcher an den Fassaden der Häuser überall sichtbar.

Wir besichtigen den Fluchttunnel, Tunnel of Hope, ein mit Spitzhacke und Schaufel gegrabener 800 m langer Tunnel aus der Belagerungszeit. Durch ihn flüchteten die Bewohner des bosniakischen Stadtteils in einen nicht belagerten Vorort. Soldaten, Waffen, Munition , Medikamente, Lebensmittel und Zigaretten alles gelangte durch den Tunnel in die Stadt. Zum Teil nutzten bis zu 4000 Menschen täglich den Tunnel.

Vom Tunnel gibt es nur noch einen 25 Meter langen Abschnitt. Gebückt und mit eingezogenem Kopf durchqueren wir die kurze Strecke durch die einfache Konstruktion von Brettern und Holzpfählen.

Das Eingangsgebäude ist von Einschusslöchern durchsiebt, vor der Tür weht die Fahne Bosnien-Herzegowinas.


Tunnel of Hope - Sarajevo - DER KOCH-STANDARD
Eingang zum Tunnel of Hope - Sarajevo

Unser Ausflug ist noch nicht zu Ende. Wir machen einen Abstecher zur Quelle des Flusses Bosna. Ein großer Park mit Bachläufen, ein bisschen wie der Englische Garten, mit Spielplatz und Ausflugslokal. Ein beschaulicher Ort zum Picknicken und Entspannen.


Am nächsten Tag fährt unser Zug früh vom Bahnhof Sarajevo nach Mostar in Herzegowina. Zu Fuß Richtung Altstadt sind die vielen Gebäudebeschädigungen und Ruinen, die aus der Zeit des Bosnienkrieges stammen, nicht zu übersehen. Auch in Mostar fanden heftige Kämpfe statt und zahlreiche Häuser sind übersät mit Einschusslöchern.


Mostar ist bekannt für seine alten Häuser, Gassen und die historische Alte Brücke (Stari Most). Oben auf der Brücke ist der Blick einfach zauberhaft. Der Fluss im Tal, die schöne Altstadt und drum herum die Berge, eine traumhafte Kulisse.

Die Alte Brücke ist ein fotogener Dreh- und Angelpunkt mit großer Symbolkraft, Weltkulturerbe. Sie steht symbolisch für die Verbindung von Ost und West, von Islam und Christentum und somit für das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen.


Alte Brücke in Mostar (Stari Most) - DER KOCH-STANDARD
Alte Brücke in Mostar (Stari Most)

Mutige einheimische Springer stürzen sich für ein Trinkgeld der Touristen von der etwa 20 Meter hohen Brücke in den Fluss Neretva.


Sprung von der Alten Brück in den Fluss Neretva, Mostar - DER KOCH-STANDARD
Sprung von der Alten Brück in den Fluss Neretva, Mostar

Wir laufen über die Brücke in die historische Altstadt, schlendern über den Bazar und gönnen uns einen Kaffee.

Anschließend machen wir noch einen Abstecher zur Quelle von Blagaj etwa 10 Kilometer von Mostar entfernt. Es entspringt hier nicht nur ein Fluss (die Buna), neben einem historischen Kloster ist auch die Höhle zu sehen, aus der das kristallklare Wasser kommt. Die Kulisse ist ziemlich beeindruckend, da die Berge über der Höhle mehrere hundert Meter hoch sind.


Quelle von Blagaj - DER KOCH-STANDARD
Quelle von Blagaj

Bosnisches Essen und Trinken

-Spezialitäten aus der Balkan-Küche-


Wenn wir schon in Sarajevo sind, müssen wir natürlich auch die traditionellen, regionalen Spezialitäten der Region probieren. Essen und Trinken, wahrscheinlich eines unserer Lieblingsaktivitäten auf dieser Reise.


Das bosnische Essen ähnelt oft dem türkischen, dem griechischen und dem mediterranen Essen. Der Einfluss europäischer Küchen, insbesondere der mitteleuropäischen Küche, ist jedoch herausragend. Überall in der Stadt gibt es eine große Auswahl an Restaurants, die italienische, mediterrane, internationale und traditionelle Speisen anbieten.


Traditionelles bosnisches Essen - DER KOCH-STANDARD
Traditionelles bosnisches Essen

Sarajevo lebt von vielen kleinen Bars, Restaurants und Kaffees, an jeder Ecke wird gegrillt, gebacken und gebraten. Traditionelle Gerichte werden oft mit Fleisch zubereitet, die Portionen fallen üppig aus. Die Speisen sind reichhaltig und abwechslungsreich. Beliebte bosnische Speisen sind zum Beispiel Bosanski Ionac, Ćevapčići, Begova corba, Burek und Grah, eine Bohnensuppe.


Zum Essen wird fast immer Brot serviert, welches in Bosnien in großen Mengen konsumiert wird. Köstliche, herzhafte Suppen und Salate sind ebenfalls typische Gerichte, ohne die es in Bosnien keine vollständige Mahlzeit gibt.


Angeblich gibt es in Sarajevo die besten Ćevapčići. Wir haben das bosnische Nationalgericht in der Cevabdzinici „Ferrhatovic“ in Baščaršija (Altstadt von Sarajevo) probiert. Diese gegrillten Hackfleischröllchen, serviert in einem frischen Fladenbrot mit gehackten Zwiebeln, Sauerrahm, Kajmak oder Ajvar sind zweifellos die Renner des bosnischen Fast Food.


Ćevapčići - DER KOCH-STANDARD
Ćevapčići

Entgehen lassen sollte man sich auch nicht Burek, ein Strudel aus fein gehacktem Fleisch, gemischt mit Zwiebeln und Gewürzen, eingerollt auf einer dünnen Teigschicht und in eine Schnecke geformt.

„Buregdzinice“ bieten guten und leckeren Burek und andere Teigschnecken an und sind überall in der Stadt zu finden.


Burek - DER KOCH-STANDARD
Burek

Begova corba ist ein altes bosnisches Gericht und absolut köstlich. Eine dicke Suppe mit Hühnchen und Gemüse und einer besonderen Zutat, der Okra, eine Bohne, die für diese Suppe getrocknet wird.

Ein weiteres kulinarisches Highlight ist über dem Feuer gegrilltes Lammfleisch.


Zu den Süßspeisen gehört allen voran bosnische Baklava, ein Dessert-Leckerbissen aus Blätter- bzw. Filoteigplatten, gefüllt mit gehackten Walnüssen, Mandeln oder Pistazien und eingelegt in einem Sirup aus Honig, Zucker, Gewürzen und Rosenwasser.


Baklava - Bosnische Nachspeise - DER KOCH-STANDARD
Baklava - Bosnische Nachspeise

In Sarajevo findet man eine ausgeprägte Kaffeekultur. Wo auch immer wir hingehen, die Straßencafés sind überall mit Einheimischen gefüllt, die ihren Kaffee langsam trinken und genießen. Kaffeetrinken ist ein Ritual. Anstatt die übliche Auswahl (Espresso oder Cappucino) entscheiden wir uns für bosnischen Kaffee, stark und süß, und bereuen es nicht. Die Art und Weise der Zubereitung ist eine Überraschung und begleitet wird er von traditionellen Süssigkeiten.

Klassischer bosnischer Kaffee wird fast immer in einem typischen Kaffee-Set serviert, das aus vier Teilen besteht: dem Kupfertablett auf dem ein kleiner Kaffeepot, ein kleines Gefäß mit Zucker und Süssigkeiten und eine kleine Kaffeetasse steht. Man taucht einen Zuckerwürfel in den heißen Kaffee, knabbert daran und nimmt abwechselnd einen kleinen Schluck.


Bosnischer Kaffee - DER KOCH-STANDARD
Bosnischer Kaffee

In Bezug auf alkoholische Getränke sind Bier, Wein und verschiedene hausgemachte Spirituosen in Bosnien und Herzegowina sehr beliebt. Das lokale Bierangebot ist recht umfangreich: Sarajevo-Bier, Pilsner Tuzla, Preminger Bihac usw.

In der Herzegowina wird traditionell guter Wein von bester Qualität produziert, den man überall genießen kann.


Essen und Trinken sind ein wahrer Genuss!


Viel gelernt, viel gesehen, viel gelacht und viel gegessen ….

Sarajevo – ich komme wieder!


 

TIPP:

Ich kann Euch einen Besuch von Sarajevo in Bosnien und Herzegowina nur wärmstens empfehlen und habe auch für die Organisation Eures Aufenthaltes, Reisetipps und Empfehlungen die perfekte Adresse:


Snežana Knoepffler, Expertin für Südosteuropa Reisen

mailto: info@schneewittchenreisen.de



 









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